Achtung Glatteis!
Risiken und Schutzmaßnahmen im Winter
Priv.-Doz. Dr. med. Anna-Katharina Nolte
In den kalten Wintermonaten steigt die Zahl der Verletzungen an Knochen, Gelenken und der Muskulatur in deutschen Notaufnahmen jedes Jahr deutlich an. Ein besonderer Risikofaktor ist das oft unerwartet auftretende „Blitzeis“. Es entsteht, wenn Regen auf gefrorene Oberflächen trifft und sofort eine dünne, kaum sichtbare Eisschicht bildet. Gefährlich sind dabei vor allem die frühen Morgenstunden sowie schattige Bereiche wie Hauseingänge, Außenfliesen, Bordsteine und Einfahrten, die häufig glatt sind, bevor die Vereisung optisch erkennbar wird.
Wie gravierend die Auswirkungen solcher Wetterlagen sein können, zeigte sich am 15. Januar 2025 in Baden-Württemberg: Auf spiegelglatten Straßen kam es landesweit zu chaotischen Verkehrssituationen, die Polizeipräsidien zählten mehr als 1.000 Verkehrsunfälle. Auch die Notaufnahme der war an diesem Tag besonders gefordert. „Aufgrund der extremen Glätte behandelten wir in der Notaufnahme an diesem Tag über 200 Patienten, teils mit schweren Verletzungen“, berichtet Dr. Bernhardt Streit, Leiter der Unfallchirurgischen Notaufnahme und Oberarzt in der Klinik für Unfall-, Handchirurgie und Sportmedizin.
Typischerweise verliert man bei einem Sturz auf Glatteis das Gleichgewicht und stürzt auf den Bauch, Rücken oder das Gesäß, wobei man sich gleichzeitig reflexartig mit den Händen abstützt. Typische Verletzungen sind der Bruch der Körperfernen Speiche (sog. Radiusfraktur) oder ein durch Umknicken verursachter Bruch des Sprunggelenkes.
Insbesondere für ältere Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für einen Bruch des Oberschenkelhalses.
Für Trägerinnen und Träger einer kann dies zu Brüchen des Oberarmknochens oder des Schulterblattes, Auskugeln von (künstlichen) Gelenkpartnern oder Verletzungen der umgebenden Muskulatur und Sehnen führen.
Diese anspruchsvollen Eingriffe sollten in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist das konsequente Beachten von Wetterwarnungen. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt bei Glätte eine besonders vorsichtige Gangart mit leicht nach vorne geneigtem Oberkörper und kleinen Schritten, den sogenannten Pinguin-Gang:
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
© DGOU
Darüber hinaus sollten Hauseingänge, Treppen und Gehwege regelmäßig geräumt und gestreut werden. Zusätzliche Sicherheit bietet das Festhalten an Geländern oder Hauswänden sowie das Gehen mit einer Begleitperson. Empfehlenswert sind außerdem Schuhe mit gutem Profil, bei Bedarf ergänzt durch Schuh-Spikes, sowie Eis-Pickel an Gehstöcken oder Krücken. Auf das Fahrrad sollte bei Eis und Schnee möglichst verzichtet werden. Ein gut trainiertes Gleichgewicht und eine kräftige Beinmuskulatur tragen ebenfalls dazu bei, das Sturzrisiko zu reduzieren. Gangunsichere ältere Menschen sollten bei Glätte möglichst zu Hause bleiben und unnötige Wege vermeiden.
Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, ist die Klinik für Unfall-und Handchirurgie, Sportmedizin der ViDia Kliniken als zertifiziertes Deutsches Schulter- und Ellenbogenzentrum, zertifiziertes Traumazentrum sowie als Alterstraumazentrum für all diese Situationen bestens gerüstet und Sie werden bestens versorgt.
